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04. Januar 2026 | Lifestyle
Magie des Nordens
Wilde, ursprüngliche Natur in der Subarktik, Kunstinstallationen in einem Parkhaus, Rave auf dem Eis und luxuriöse Speisen bei einer gleichzeitig hohen Arbeitslosenquote.
Zahnräder aus Holz zum Aufziehen. Obendrauf – ein 360-Grad-Bildschirm. Dort laufen einminütige Clips ab: Sie zeigen eine Gruppe von Frauen, die sich zum Synchroneislaufen versammeln. Einen Spaziergang mit einem Hund über das Eis, lachende Kinder. Es sind kurze Momente, die Bewohner der finnischen Stadt Oulu mit dem Han-dy gefilmt haben – für das Kunstwerk des finnisch-deutschen Duos Tellervo Kalleinen und Oliver Kochta-Kalleinen mit dem Namen «The Most Valuable Clock in the World» (auf Deutsch: die wertvollste Uhr der Welt). Der Wert dieser Uhr liegt nicht in ihrer Technik, sondern in der – aus Sicht der Kunstschaffenden – wertvollsten Währung der Welt: Zeit. Die «Uhr» ist eines der acht Kunstwerke internationaler Künstlerinnen und Künstler, die an unterschiedlichsten Schauplätzen von Oulu die «Climate Clock», auf Deutsch: Klimauhr, bilden sollen. Dabei binden sie nicht nur die Bevölkerung Oulus, sondern auch die lokale Flora und Fauna ein: Der japanische Künstler Takahiro Iwasaki verwendet zum Beispiel die lokale Ressource Holzteer für sein Werk, das im Erholungsgebiet Terva-sautio stehen wird.
Das dänische Künstlerkollektiv Superflex hat vor Ort mit Fischern recherchiert und zusammen mit Meeresbiologen eine Skulptur entwickelt, die die Biodiversität fördern soll. «Die Klimauhr tickt, der Schnee schmilzt, und wir lernen von Neuem, was unsere Ahnen wussten – dass die Zeit nicht von uns gesteuert werden kann, sondern dass die Natur ihre eigene Zeitrechnung hat», so fasst Alice Sharp, die Kuratorin, die Bedeutung der «Climate Clock» zusammen. Anlass für das ambitionierte Projekt ist «Oulu 2026» – die Stadt mit über 211 000 Einwohnern wird im kommenden Jahr als nördlichste Grossstadt Europas eine der europäischen Kulturhauptstädte. Kunst und Kultur im Einklang mit den klimatischen Bedingungen, nachhaltige Strukturen und das Einbinden der lokalen Bevölkerung – das sind die Säulen, auf denen die Strategie für «Oulu 2026» unter dem Motto «Kultur-Klimawandel» aufbaut.
NEUES HEIMATGEFÜHL
Eine Zeremonie in Schnee und Eis auf Oulus Marktplatz vom 16. bis 18. Januar eröffnet das Programm für 2026. Das ganze Jahr über versuchen die Veranstalter, ein Schlaglicht auf die Metropole und ihre Umgebung zu werfen. Doch das erklärte Ziel ist nicht, kurzfristig Touristen anzulocken, so der Direktor Samu Forsblom, sondern langfristig eine lebenswerte Stadt zu schaffen, die auch junge Leute anzieht und zum Bleiben bewegt.
«Wir müssen dafür sorgen, dass die jungen Menschen, die hierher-kommen, eine attraktive Stadt und interessante Arbeitsplätze vorfinden», sagt einer der Stadtplaner, Jere Klami. Er stammt ursprünglich aus der Region um Helsinki, ist zum Studium nach Oulu gekommen und dann in der Stadt geblieben, weil sie ihm so gut gefallen hat. Für eine nachhaltige Stadtplanung hält er nicht nur die «harte Infrastruktur» wie Strassen und Gebäude für wichtig, sondern auch die Einbindung von Kunst, Kultur, Natur und Menschen. Es sei zum Beispiel eine neue, ungewöhnliche und herausfordernde Aufgabe gewesen, die Orte für das Kunstwerk Clima-te Clock zu finden. Weiterhin werden beim Projekt Urban Culture junge Menschen auf ehrenamtlicher Basis dazu angeleitet, Kulturprojekte für ihre eigene Zielgruppe zu entwickeln. Beim daraus hervorgegangenen Musikfestival Frozen People tanzen Besucher aus ganz Europa und der Region in der Winterlandschaft auf dem Eis. Als ein weiteres, wichtiges Planungsprojekt im Rahmen von «Oulu 2026» hebt er das neue Kunstmuseum hervor. Für das Northern Ostrobothnia Museum (Museum für Nordösterbotten) wird ein altes Fabrikgebäude umgebaut. Es soll der von Bauten der 1960er-Jahre geprägten Innenstadt von Oulu eine moderne Komponente hinzufügen. Das Museum soll einerseits zu einem touristischen Highlight werden, andererseits auch den Bedarf an Kunsterlebnissen in der Region decken.
Standorte
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