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Autos, die begeistern

19. September 2019 | Interview

Norbert Seeger hat über die letzten 20 Jahre eine einzigartige Classic-Car-Sammlung aufgebaut: die komplette Phantom-Reihe von Rolls-Royce. Im Interview spricht der Enthusiast über seine Leidenschaft und darüber, wie er den legendären Wagen von Prinzessin Margaret von England erwarb.

Ein Benzingespräch über Classic Cars

 

Norbert Seegers Rolls-Royce-Sammlung und die Freude an Classic Cars bewegten den Rechtsanwalt unter anderem dazu, ein Gebäude für exklusive Fahrzeuge und weitere Preziosen in Liechtenstein zu realisieren.


Herr Dr. Seeger, andere sammeln wertvolle Uhren oder Kunst. Sie sammeln Classic Cars. Warum?

Dieses Hobby ist aus einem Mandat entstanden, bei dem ich einen Rolls-Royce erhielt. Das Fahrzeug stand dann längere Zeit in meiner Garage. Ich habe zwar regelmässig den Service für den Wagen machen lassen, aber gefahren bin ich nicht damit. Eines Tages habe ich ihn gestartet, und seitdem bin ich mit dem Rolls-Royce-Virus infiziert.

 

Ihre Sammlung umfasst 27 Wagen von Rolls-Royce und Bentley. Warum haben Sie sich gerade für diese beiden Automarken entschieden?

Die Solidität und Perfektion der gesamten Verarbeitung sowie die Langlebigkeit der verwendeten Komponenten haben mich schon beim ersten Rolls-Royce beeindruckt. Ich hatte längere Zeit nur diesen einen Wagen, und mit der Zeit kamen weitere Fahrzeuge hinzu. Irgendwann kam die Frage auf, wie die Sammlung weiterentwickelt werden könnte. Soll es eine markenspezifische Sammlung werden? Wie soll sie ausgerichtet sein? Und welche Kriterien muss sie erfüllen, damit sie einen einzigartigen Charakter erhält? Daraus ist dann die Idee entstanden, die Phantomreihe von Rolls-Royce – das sind deren Flaggschiffe – zu komplettieren. Zudem wollte ich jeweils ein Modell von Rolls-Royce und von Bentley aus jeder Produktionsepoche in meiner Sammlung haben.

 

In «motors finest», der Chronik der «Seeger Collection», gewähren Sie Einblicke in die Geschichte und Technik Ihrer Preziosen. Die Automobile sind hinsichtlich ihrer Innenausstattung und Mechanik derart fantastisch – wollen Sie überhaupt noch mit modernen Autos fahren?

Ja, sicher. Das sind zwei verschiedene Welten. Oldtimer stehen für das Ruhige – das gemächliche Dahingleiten. Moderne Autos spiegeln Geschwindigkeit, Luxus und innovative Technik.

 

Was halten Sie von Elektro- oder selbstfahrenden Autos, die derzeit entwickelt werden?

Ich bin überzeugt, dass das selbstfahrende Auto – oder anders gesagt – das garantiert unfallfreie Auto in fünf Jahren Standard bei Neuanschaffungen ist. Solche Autos haben natürlich auch ihren Reiz.

Norbert Seeger
Classic Cars Sammlung

Zurück zu den Oldtimern. Was löst eine Fahrt in einem Classic Car bei Ihnen aus?

Sie löst viele Assoziationen an frühere Zeiten aus, denn jedes Fahrzeug aus der Sammlung hat seine eigene Geschichte. Nicht zuletzt ist die Fahrt auch erholsam und vermittelt ein wohliges Gefühl.

 

Wann fahren Sie mit den Classic Cars?

Eine Fahrt mit Fahrzeugen aus der Vorkriegszeit mache ich meist an den Wochenenden, da man für diese mehr Zeit braucht. Das beginnt bereits beim Startprozedere. Wagen aus der Nachkriegszeit nutze ich auch gerne für den Arbeitsweg. Im Winter werden die Fahrzeuge in der Regel weniger gefahren; die Strassen müssen salzfrei sein. Wichtig ist mir, dass alle Wagen aus meiner Sammlung jederzeit fahrbereit sind. Sie müssen regelmässig bewegt werden. Nur der Gebrauch schützt vor Zerfall.

 

Mit welchem Wagen aus Ihrer Sammlung fahren Sie am liebsten?

Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Jeder Wagen hat seinen Reiz. Ich würde sagen, dass ich mich je nach Anlass für das eine oder andere Modell entscheide.

 

Gibt es eine Strecke, die Sie besonders gerne fahren?

Es gibt in der Region und im Appenzell sehr schöne Strecken, die ich immer wieder fahre. Auch die Pässe im Engadin und in Tirol sind atemberaubend schön.

 

Sie nehmen auch an internationalen Concours teil. Welche Kriterien sind dort entscheidend?

Es gibt zwei grundsätzliche Ansätze; in Europa müssen die Fahrzeuge möglichst original sein. In Amerika zählen perfekt restaurierte Fahrzeuge. Natürlich gibt es bei jedem Concours verschiedene Preiskategorien, etwa der besterhaltene oder der bestrestaurierte Wagen. Mir geht es dabei um möglichst viel Originalität. Ich finde es sehr schade, wenn man die altersbedingte Patina wegmacht und den Wagen perfekt restauriert. Das ist in Amerika ein bisschen ein Trend geworden. Dort muss jede Schraube glänzen.

Bentley

Ist Ihre Sammlung für Sie auch eine klassische Vermögensanlage?

Die Sammlung entstand aus reinem Enthusiasmus. Im Laufe der Zeit sind die Fahrzeuge unbeabsichtigt zu einer Assetklasse geworden. Das ist ein angenehmer Nebeneffekt. Es gibt zwar immer wieder Preisschwankungen, aber alles in allem sind die Preise in den letzten Jahren gestiegen.

 

Kaufen Sie die Classic Cars selber ein oder lassen Sie sich von Experten beraten?

Im Laufe der Jahre habe ich mir ein internationales Beziehungsnetz mit Experten aufgebaut. Wenn etwas auf den Markt kommt, erfahre ich das relativ schnell.

 

In Ihrer Sammlung befinden sich auch Wagen von Prinzessin Margaret von England und der Schauspielerin Sophia Loren. Wie sind Sie zu diesen Classic Cars gekommen?

Diese Zukäufe wurden auch durch das Beziehungsnetz ermöglicht. Der Wagen von Prinzessin Margaret wurde in den 1960er-Jahren nach Amerika verkauft. Die genauen Umstände kennt man nicht. Irgendwann kam der Wagen wieder zurück nach England. Ich wurde darüber informiert und konnte das Fahrzeug erwerben. Vom Phantom IV wurden in den 1950er-Jahren lediglich 18 Stück produziert. 16 Fahrzeuge dieses Modells gibt es noch. Nur sehr wenige werden auf dem Markt gehandelt, da die meisten noch im Besitz von Königshäusern sind. Ein weiteres Fahrzeug von Prinzessin Margaret in meiner Sammlung ist der Rolls-Royce Silver Shadow 1975.

 

Was empfehlen Sie jemandem, der sich für einen Oldtimer interessiert? Welche Kriterien sind dabei entscheidend?

Es gibt drei grundsätzliche Kriterien: Das Fahrzeug muss eine gute Substanz haben, selten sein und eine gute Geschichte mit prominenten Erstbesitzern haben. Was die Substanz betrifft, weiss ein Fachmann genau, wo die Schwachstellen bei der jeweiligen Fahrzeugkategorie liegen. Das ist marken- beziehungsweise jahrgangsspezifisch. Letztlich ist es eine Frage des Geschmacks, für welches Auto man sich entscheidet.

Classic Car

Sie besitzen ein Exemplar aller Phantom-Modelle der Marke Rolls-Royce von 1925 bis zur Gegenwart. Haben Sie damit Ihr Ziel erreicht oder werden Sie noch andere Wagen zukaufen?

Die Sammlung ist komplett; somit ist das Ziel erreicht. Natürlich gibt es eine Vielfalt an Modellen sowie Sonder- und Spezialkarosserien, die auch interessant sind. Aber jedes Fahrzeug muss gewartet und gepflegt werden. Meine Sammlung hat eine Grösse erreicht, bei der das – mithilfe anderer Enthusiasten – gut machbar ist. Wenn es mehr Wagen sind, wird das schwieriger und unübersichtlicher.

 

Je wertvoller die Sammlung, desto höher der Schutz. War das auch der Grund, warum Sie über ein eigenes Tresorgebäude für Ihre Classic Cars nachgedacht haben?

Nein, die Fahrzeuge waren bislang gut geschützt, aber an drei verschiedenen Standorten verteilt. Das STABIQ Treasure House ist aus der Idee heraus entstanden, die Fahrzeuge an einem Ort unterzubringen.

 

Warum haben Sie sich für den Standort in Eschen entschieden?

Das Grundstück im Wirtschaftspark in Eschen hat sich als optimale Variante herausgestellt und es gab die Möglichkeit, es zu kaufen. Aus dem Aufbewahrungsort für die eigene Classic-Car-Sammlung ist dann die Idee entstanden, Tresor- und Wertschutzräume für Preziosen aller Art anzubieten.

 

Solche Treasure Houses gibt es an zahlreichen Orten der Welt. Wodurch unterscheidet sich Ihr Gebäude von anderen?

Andere Häuser haben eher Lagerhaus-Charakter. Sie erfüllen damit auch ihren Zweck. Mit dem STABIQ Treasure House wollen wir einen Ort mit einem einzigartigen Ambiente und sehr hohen Sicherheitsvorkehrungen schaffen.

 

Wann wird es seinen Betrieb aufnehmen?

Im Mai 2016. Meine Sammlung ist bereits dort.

Rolls-Royce

Dr. Norbert Seeger ist Inhaber des gleichnamigen Advokaturbüros Seeger und des Treuhandunternehmens ARCOMM mit Fokus auf Family-Office-Services und Asset Protection in Vaduz. Der 62-Jährige ist Honorargeneralkonsul der Republik Mazedonien und Träger des Fürstlich-Liechtensteinischen Verdienstordens. Anfang der 1990er-Jahre begann Seeger, eine Sammlung von Rolls-Royce und Bentley-Fahrzeugen aufzubauen. Die nach ihm benannte «Seeger Collection» beinhaltet die komplette Sammlung der Phantom-Reihe – die Flaggschiffe aus der über 100-jährigen Geschichte von Rolls-Royce. Die «Seeger Collection» hat im neu erbauten STABIQ Treasure House im liechtensteinischen Eschen eine neue Heimat gefunden. Die Fahrzeuge sind auch in einem vom ADAC preisgekrönten Buch dokumentiert. Das Buch ist unter dem Titel «motors finest» im Benteli Verlag erschienen und kann unter www.seeger.li bezogen werden.

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