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Curta - Kleinod für Sammler

2. April 2019 | Technik

Die kleinste mechanische Rechenmaschine der Welt war Ende der 1940er-Jahre eine Sensation. Genauso wie heute. Sie gilt als Vermächtnis ihres Erfinders Curt Herzstark aus Wien. Als «Intelligenzsklave» hat er im Konzentrationslager Buchenwald Konstruktionszeichnungen erstellt.

Die Mechanik der Curta soll mit der eines Uhrwerks vergleichbar sein. In den 1950er-Jahren avancierte die stilvolle und handliche Curta zum Begleiter von Architekten, Vermessungstechnikern, Ingenieuren und Handwerkern. Sie funktionierte verlässlich wie ein Uhrwerk: Die 571 Einzelteile waren in der ersten Version Curta 1 so orchestriert, dass das elegante Gerät die vier Grundrechenarten und später in der Version 2 auch das Wurzelziehen in hoher Präzision ermöglichte. Aber das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile. Warum ist Curt Herzstark, Sohn eines Rechenmaschinenfabrikanten, die Realisation eines mobilen Taschenrechners gelungen? So viele andere fachkundige Zeitgenossen hatten dies erfolglos versucht.

Curta – alte Erfindung neu entdeckt

 

Herzstark erkannte schnell, dass sich die bestehenden Rechenmaschinen nicht ausreichend verkleinern liessen. Er orientierte sich daher an den Dimensionen und der Feinmechanik eines Uhrwerks beziehungsweise einer Taschenuhr und überlegte, wie er den winzigen Mechanismus vergrössern könnte. Er wählte den umgekehrten Weg. Ausserdem tat er so, als hätte er den mobilen Taschenrechner schon erfunden und legte die besondere Form des Geräts in seiner Vorstellung vorab fest. Dabei orientierte er sich auch an den Vorgaben seiner Kunden – und bewegte sich somit am Puls des Marktes. Seine technische Begabung, die unkonventionelle Denkweise und die praktische Erfahrung aus der Mitarbeit in der Fabrik seines Vaters erlaubte es ihm schliesslich, die komplexe Mechanik im runden Gehäuse mit der Kurbel unterzubringen.

Aufbau der Curta

Curta forever

 

Aus dem Konzentrationslager befreit, folgte Curt Herzstark später dem Ruf des damaligen Landesfürsten Franz Josef II., der für die Produktion des Taschenrechners in der Gemeinde Mauren in Liechtenstein den Weg ebnete. Heute erinnert der «Contina-Weg» an die einstige Produktionsstätte – sie wurde 1971 geschlossen. Die Curta ist mehr als ein geniales Produkt, dem die Elektronik den Rang abgelaufen hat. Ihrem Erfinder hat sie im Konzentrationslager das Leben gerettet. Beschäftigt man sich mit ihrer Entstehung, so begegnet man zum Beispiel ihrem Schöpfer, einem kreativen, hoch motivierten Menschen, der über eine ungewöhnliche innere Kraft, technische Begabung und musisches Talent verfügte. Zahlreichen Widerständen und Widersachern zum Trotz hat Herzstark mit seinem Team 1948 den ersten und kleinsten mechanischen Taschenrechner auf den Markt gebracht. Die Curta ist heute nicht nur ein intelligentes Spielzeug für Mathematik begeisterte und ein Kleinod für Sammler. Sie ist auch ein Beweis dafür, dass Entschlossenheit und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten (fast) alle Hindernisse überwinden können. Danke, Curt Herzstark.

Demonstration der vier Grundrechenarten der Curta II

Verwandt mit der Uhr?

 

Der pensionierte Reparatur-Fachmann Hans-Rudolf Roshard aus Zürich, der in seinem Leben rund 700 Curtas aus aller Welt repariert hat, reduziert die Gemeinsamkeiten zwischen einer Curta und einer Uhr auf die anspruchsvolle Feinmechanik: «Die Curta funktioniert mittels einer Staffelwalze, diese Technik ist in einer Uhr so nicht vorhanden.» Walter Beck, der kürzlich verstorbene Gründer des Museums für historische Schreib- und Rechenmaschinen in Schaan/FL, zieht den Kreis etwas weiter. Er wählt unter anderem den Vergleich mit der historischen Rechenmaschine des deutschen Pfarrers Matthäus Hahn aus dem Jahre 1770. Hahn war ein angesehener Uhrmacher; für die Erfindung seines Rechners bediente er sich einer Staffelwalze und bevorzugte eine Art Dosenform.

 

Eine weitere historische Verbindung zu Uhren ergibt sich für Beck durch die altehrwürdigen Schweizer Rechenuhren im Taschenformat. Auf dieser Ebene sind Parallelen zur Uhrenwelt ersichtlich. Das bestätigt auch Hansjörg Nipp aus Mauren/FL, der aktuell an einem Buch zu diesem Thema arbeitet. Er weist darauf hin, dass für die Herstellung des Geräts in der Contina AG anfangs vor allem erfahrene Uhr- und Feinmechaniker aus dem benachbarten Ausland angeworben wurden. Fazit: Menschen, die mit der filigranen Mechanik von Uhren geschickt umgehen können, verfügen über die Kompetenz und oft auch über das Interesse, hervorragende mechanische Taschenrechner herzustellen.

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