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Macht es sexyer!

15. October 2020 | Interview

Der Kreativdirektor der Schmuckmarke Pomellato weiss, was Frauen mögen. Ein Interview mit Vincenzo Castaldo über aufmerksames Beobachten und freudvolles Klischeebrechen.

Herr Castaldo, Sie haben in einem Interview gesagt, dass Sie heute Psychologe wären, wenn Sie nicht eine Designer-Laufbahn eingeschlagen hätten. Muss man Frauen verstehen, um für sie Schmuck zu kreieren?

Jede Frau ist einzigartig. Sicherlich hilft mir der spielerische Umgang mit der Psychologie, die Wünsche einer Frau zu interpretieren und zu enthüllen. Wenn ich mir ein Schmuckstück vorstelle, frage ich mich, ob es irgendwie den Sehnsüchten einer Frau entsprechen könnte – ob es ihr helfen könnte, ihre wahre Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen und ihren Wunsch zu erfüllen, sich schön und in Harmonie mit sich selbst zu fühlen.

Die Art von Frau, von der ich mich inspirieren lasse, ist eine, die sich auf viele verschiedene Arten ausdrücken kann: Sie kann «flüstern», wenn sie sich in ihrer minimalistischen Eleganz mit einem schlichten «Iconica»-Bandring schmückt, und gleichzeitig fühlt sie sich wohl, wenn sie ein kostbar opulentes «Tango»-Armband trägt. Sie weiss genau, wie sie ihren Stil je nach Stimmung und Augenblick für sich selbst sprechen lassen kann.

Pomellato wurde 1967 von Pino Rabolini gegründet – mit dem Ziel, eine neue, unkonventionelle Schmuckmarke für selbstbewusste Frauen zu schaffen. In dieser rebellischen Zeit, in der Frauen begannen, um ihre Rechte zu kämpfen, wurden Sie geboren. Inwiefern hat Sie diese Epoche geprägt?

Das waren ausserordentlich wichtige Jahre für alle kreativen Branchen, von der Architektur bis hin zu Design und Mode. Es waren Jahre, die von Enthusiasmus und dem Willen geprägt waren, Neues zu erforschen, etwas zu wagen sowie Regeln und Klischees zu brechen. Dass ich in dieser Zeit geboren wurde, hat mir geholfen, mit Pomellato eine gemeinsame Sprache zu finden und so einen intimen Dialog zu schaffen, der auf gegenseitigen und bedeutungsvollen kreativen Bezügen beruht.

 

Welche Orte suchen Sie auf, um auf kreative Einfälle zu kommen?

Es gibt keinen bestimmten Ort oder idealen Augenblick oder überhaupt keinerlei Regel, wenn es um Inspiration geht. Die Inspiration entsteht auf unerwartete Weise – es ist wichtig, bereit zu sein, sie einzufangen, also offen zu sein. Oft entspringt die Inspiration einer aufmerksamen Beobachtung unserer Umgebung, die wir mit neuen Augen und aus neuen Blickwinkeln betrachten können, als ob es das erste Mal wäre.

Nicht jede Schmuckidee schafft den Durchbruch. Wie wichtig ist das Experimentieren für Sie?

Das Experimentieren führt und nährt meine Arbeit – jeden Tag. Wir experimentieren mit Materialien, verleihen den alten und traditionellen Techniken der Schmuckherstellung einen unkonventionellen Touch, führen die Kultur der Kunsthandarbeit auf die nächste Ebene, erneuern und vertiefen die unverwechselbaren Codes der Marke, die stets irgendwie mit den klassischen Klischees brechen.

«Fantina» zum Beispiel ist eine Sammlung, die aus einer sehr engen Zusammenarbeit mit den Kunsthandwerkenden entstanden ist. Es ist eine Sammlung, bei der es um Bewegung und Drehung geht, darum, wie sich die Linie im Raum formt. Das sind Aspekte, die man mit den Händen, mit den Augen, mit der Berührung erklärt, nicht nur mit einer Zeichnung auf einem Blatt Papier – sonst würde die Emotion, die das Schmuckstück ausdrückt, verloren gehen. Wenn ich den Kunsthandwerkenden sage: «Macht es sexier!», verstehen sie, was ich meine.

Wer so erfolgreich ist wie Sie, steht auch unter Druck, stets ausgezeichneten Schmuck zu kreieren. Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung um?

Der Druck, den ich eher als Verantwortung definieren würde, ist wie eine innere Stimme, die mich führt und mir hilft, mir treu zu bleiben und die heilige Seele der Marke zu schützen. Es ist also eine positive Spannung, die zwar manchmal anstrengend sein kann, aber immer ein willkommener Wegbegleiter ist.

Sie haben ursprünglich Architektur studiert. Inwiefern beeinflusst dieses Wissen das Design der Schmuckstein-Kreationen?

Sicherlich war mein Architekturstudium ein guter Ausgangspunkt auf meinem Weg mit Pomellato – aber was mir wirklich geholfen hat, eine starke Verbindung mit der Marke herzustellen, ist mein Werdegang in der Mode.
Pomellato ist der Inbegriff des Prêt-à-porter-Konzepts in der Welt des Schmucks. Die ständige Herausforderung besteht darin, Wege zu finden, um in der traditionelleren Schmuckbranche jene Begeisterung und jenen Wunsch nach Neuem auszudrücken, die für die Modebranche typisch sind, und dabei daran zu denken, dass ein Schmuckstück eine emotionale Beziehung mit sich bringt, die ewig hält.

Was fasziniert Sie an Schmucksteinen?

Was an Schmucksteinen wirklich faszinierend ist, ist deren stets überraschende Eigenschaft, lebendig zu werden – in den fachkundigen Händen der Kunsthandwerkenden, die sie schleifen. Es sind die magischen Universen, die ein Schmuckstein durch das einfache Spiel mit dem Licht hervorrufen kann.

«Nudo» ist das perfekte Beispiel: Die erstaunlichen Töne und Farben der Schmucksteine, die Transparenz, die durch ihre einzigartige Form betont wird, und die kaleidoskopischen Effekte, die durch die kostbaren Facetten jedes Steins vermittelt werden, zeichnen diese Sammlung aus.

Welche Ihrer Schmuckkreationen bei Pomellato gefällt Ihnen am besten und warum?

Zurzeit ist der Teil meiner Arbeit, den ich am anregendsten finde und der mir am meisten Spass macht, die Neugestaltung unserer erfolgreichsten Kollektionen wie «Iconica» und «Tango» durch neue und noch kostbarere Kreationen. Mit einer Kombination aus Freiheit, Fantasie und Savoir-faire schaffen wir eine Interpretation des Spitzenschmucks, die unverkennbar Pomellato ist.

Zur Person:

Vincenzo Castaldo ist in der Toskana geboren und aufgewachsen. Zunächst sammelte er Erfahrungen an der Kunstschule in Lucca und dann als Architekturstudent in Florenz, bevor er sich in der Modehauptstadt Mailand niederliess. Nach seinem Abschluss in Modedesign am Marangoni-Institut widmete er die ersten 15 Jahre seiner Berufskarriere in der Modebranche bei Romeo Gigli und später bei Dolce & Gabbana. Vincenzo Castaldo arbeitet seit 2002 bei Pomellato. 2015 wurde er zum Kreativdirektor des renommierten italienischen Schmuckunternehmens ernannt. Für Vincenzo Castaldo sind die Schmuckstücke von Pomellato nicht nur Modeaccessoires, sondern kostbare Interpretationen von Pomellatos unkonventionellem und doch modernem Stil.

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