Huber Fine Watches & Jewellery

Seltene Handwerkskunst

23. Oktober 2019 | Lifestyle

Cartier ĂŒber die Schulter zu schauen, lohnt sich. Die Schmuck- und Uhrenfirma hat im westschweizerischen La Chaux-de-Fonds die Maison des MĂ©tiers d’Art eingerichtet. Nicht nur aus Gold und Edelsteinen, sondern auch mit Stroh und BlĂŒtenblĂ€ttern entstehen dort einzigartige Schmuckuhren.

Cartiers Erfolgsgeheimnis

 

Ein altes Berner Bauernhaus – umgeben von BĂ€umen, Wiesen und Feldern. Fast unscheinbar wirkt das Anwesen aus dem 18. Jahrhundert. Es beherbergt Cartiers Atelier fĂŒr seltene Handwerkskunst. Das GebĂ€ude wurde innen komplett renoviert. Der 350 Quadratmeter grosse Eingangsbereich mit KalkwĂ€nden und HolzvertĂ€felungen sowie antikem Mobiliar lassen einen in die Vergangenheit des ursprĂŒnglichen Bauernhauses eintauchen. Verschiedene Glas- und Metallelemente wirken dagegen futuristisch.

Die Maison des MĂ©tiers d’Art ist ein Haus der GegensĂ€tze und vereint traditionelle Handwerkskunst mit innovativer Technik. Die rund 30 Spezialisten, darunter Steinsetzer, Goldschmiede, Intarsien- und Emaille-Spezialisten, sind auf zwei Etagen verteilt. Mit ihren weissen Kitteln sehen sie nicht aus wie Uhrmacher, sondern vielmehr wie Wissenschaftler. Es erstaunt deshalb nicht, dass die Werkstatt im zweiten Stock an ein Labor erinnert – Mikroskope stehen auf den Tischen. Auf dem Rundgang durch das Haus können Besucher den verschiedenen Handwerkern ĂŒber die Schultern blicken und mehr ĂŒber die einzelnen Schritte bei der Herstellung von Uhren und Schmuck erfahren. Mit der Maison des MĂ©tiers d’Art setzt sich Cartier dafĂŒr ein, dass die traditionelle Uhrmacherkunst nicht in Vergessenheit gerĂ€t.

Ein altes Bauernhaus: Cartiers Atelier

Unikate am Laufmeter

 

Die französische Uhren- und Schmuckmanufaktur ĂŒberzeugt immer wieder mit neuen Ideen sowie ungewöhnlicher Gestaltung. Die Modelle werden in aufwĂ€ndigen Fertigungsverfahren hergestellt. Dabei kommt das ganze Geschick der Handwerker zum Tragen, etwa beim Gravieren, Emaillieren und Malen. Cartier war der erste Juwelier, der ein Mosaik auf einem Zifferblatt auf den Markt gebracht hat – aus den Farbedelsteinen Jaspis und Onyx. 2011 prĂ€sentierte Cartier eine Armbanduhr mit einem Schildkrötenmotiv, das aus 37 verschiedenen Farbschattierungen bestand. Die Steinchen sind weniger als ein Millimeter gross. Ein paar Jahre spĂ€ter folgte das nĂ€chste Meisterwerk: Cartier kreierte ein Zifferblatt aus Steinmosaik mit Tigerdekor. HierfĂŒr waren 500 winzige Steinelemente erforderlich, die in rund 40 Arbeitsstunden auf das Zifferblatt gesetzt wurden.

Mit BlĂŒtenblatt und Stroh

 

2014 erweiterte die Manufaktur ihr Repertoire durch eine bis dahin unbekannte Technik: die florale Intarsienkunst fĂŒr die Gestaltung des Zifferblatts. Sie erfordert von den Handwerkern verschiedene Fertigungsschritte – angefangen bei der Ernte der RosenblĂŒtenblĂ€tter ĂŒber das FĂ€rben und Zurechtschneidens jedes einzelnen BlĂŒtenblatts bis hin zum Aufsetzen auf einer hauchdĂŒnnen Holzschicht. Die Fertigstellung eines Zifferblatts braucht Geduld und eine ruhige Hand. FĂŒr die Ballon Bleu de Cartier mit floralem Papageiendekor etwa wurden drei Wochen aufgewendet. Die Uhr mit einem GehĂ€use aus Weissgold ist mit Brillanten besetzt und auf 20 Exemplare limitiert. Die Spezialisten mĂŒssen konzentriert und mit grösster Sorgfalt arbeiten. Ein kleiner Fehler reicht aus, und sie können wieder von vorne beginnen.

Cartiers innovative Handwerkskunst zeigt sich auch bei Strohintarsien. Halm fĂŒr Halm wird gespalten und anschliessend mit einem Falzbein flachgedrĂŒckt. Anschliessend werden sie mit einer speziellen SĂ€ge zurechtgeschnitten und in mĂŒhsamer Arbeit zu einem Motiv zusammengesetzt. Das Stroh bleibt naturbelassen – ohne Schutz- oder Lackschicht. Das Emaillieren mit Goldpaste gehört ebenso zu den Steckenpferden der Cartier-Kunsthandwerker. Dabei wird die Goldplatte mit einer schwarzen Emailleschicht bedeckt. Mithilfe einer Nadel oder eines besonders feinen Pinsels trĂ€gt der Emailleur eine Goldpaste auf, mit der er dem Motiv eine Tiefen- und Reliefwirkung verleiht. Anschliessend wird das Zifferblatt im Ofen gebrannt.

Cartiers Handwerkskunst
Marqueterie
Cartiers Handwerkskunst

Inspiriert von altem Wissen

 

Wie kommt Cartier auf solche Herstellungsverfahren? Die Spezialisten recherchieren hierfĂŒr in Museen und Archiven auf der ganzen Welt und lassen sich von verschiedenen Techniken inspirieren. Oftmals greifen sie dazu auf Jahrtausende altes Wissen zurĂŒck. Etwa bei der Granulation. Diese geht auf das 3. Jahrtausend vor Christus zurĂŒck. Bei dieser Technik werden zahlreiche Goldkörner verarbeitet: ZunĂ€chst werden GoldfĂ€den zerschnitten und in Holzkohlestaub gewendet, um sie dann durch Erhitzen in Goldkugeln zu verwandeln. Anschliessend werden die winzigen Goldkörner auf einer Platte platziert und mit der Pinzette zu einem Motiv zusammengesetzt.

Ein eindrĂŒckliches Beispiel fĂŒr die Granulation ist Cartiers Panthermotiv. Diese Komposition setzt sich aus knapp 3 800 GoldkĂŒgelchen zusammen, die jeweils in FĂŒnfergruppen auf dem Zifferblatt befestigt sind. FĂŒr die Fertigstellung mussten die GoldkĂŒgelchen rund 3 500-mal erhitzt werden. Die Gravur des Motivs nahm 40 Arbeitsstunden in Anspruch und das Aufsetzen der KĂŒgelchen etwa 320 Arbeitsstunden.

Uhrmacher der Zukunft

 

Wie wichtig es Cartier ist, seltene Handwerkskunst zu erhalten, zeigt sich auch in der Ausbildung des Uhrmacher-Nachwuchses. Im Institut Horlogerie Cartier bildet das Unternehmen Lernende in verschiedenen Bereichen aus: Uhrmacherei, Schleifen, Polieren, Mikromechanik. Je nach Spezialisierung dauert die Ausbildung zwei bis vier Jahre. Hinzu kommen interne Schulungen. Zudem hat Cartier einen jĂ€hrlich stattfindenden Wettbewerb fĂŒr den Uhrmacher-Nachwuchs der Schweiz ins Leben gerufen. Beim Concours de l’Institut Horlogerie Cartier können die Auszubildenden sowohl ihr technisches Know-how als auch ihre KreativitĂ€t zeigen. Die Teilnehmenden haben 32 Stunden Zeit, um eine Aufgabe an einem von Cartier gestellten Uhrwerk zu lösen. Seit der ersten Austragung haben mehr als 1 000 Auszubildende ihr Können gezeigt. Gleichzeitig vertiefen die Handwerker bei Cartier regelmĂ€ssig ihr Wissen in Schulungen, bei denen ihre Kompetenzen erweitert und aufgefrischt werden.

Cartiers Atelier
Marqueterie
Cartiers Handwerkskunst

Hoher Sammlerwert

 

Viele Cartier-Uhren sind eine RaritÀt und eine echte Wertanlage, wie etwa die historischen Modelle der Tank-Uhren zeigen. Selten findet man diese Uhren im Handel, sondern meist bei spezialisierten AuktionshÀusern. Eine Tank aus den 1920er-Jahren kann leicht einen Preis von 30 000 Euro und mehr erzielen.

Nicht nur der Preis des Modells ist buchstĂ€blich merkwĂŒrdig, sondern auch sein Design. WĂ€hrend Uhren zu jener Zeit rund waren, kreierte Cartier fĂŒr die Tank ein eckiges Zifferblatt. Es war ein damals mutiges Experiment. Zum Markenzeichen der Tank wurde schliesslich der blaue Saphir-Stein auf der Aufzugskrone der Uhr. Der Zeitmesser war berĂŒhmt, da er auch von vielen Filmschauspielern getragen wurde – etwa Rudolph Valentino, Clark Gabel, Gary Cooper und spĂ€ter Andy Warhol.

Produkte fĂŒr die Ewigkeit

 

Ein besonderes Augenmerk legt Cartier auf die unternehmerische Verantwortung. Die Uhren- und Schmuckmanufaktur arbeitet nur mit ausgezeichneten Partnern zusammen, die ihrerseits wiederum nachhaltige Kriterien in der Lieferkette erfĂŒllen. «Unsere Produkte sind fĂŒr die Ewigkeit gemacht», heisst es bei Cartier. Diese Haltung spiegelt sich denn auch in der Maison des MĂ©tiers d’Art in La Chaux-de-Fonds. Ein Ort, bei dem seltene Handwerkskunst erlern- und erlebbar wird. Es ist ein generationsĂŒbergreifendes Projekt, bei dem Cartier nicht nur Wissen, sondern auch sein Erfolgsgeheimnis weitergibt: die grosse Liebe fĂŒr Gestaltung.

Marqueterie

Unsere Produkte sind fĂŒr die Ewigkeit gemacht.

Cartier, Schmuck- und Uhrenfirma

Juwelier der KönigshÀuser

 

Die Geschichte des Uhren- und Schmuckherstellers Cartier beginnt 1847 in Paris. Louis François Cartier war ein talentierter Goldschmied, der sich fĂŒr Armbanduhren begeisterte. FĂŒr die damalige Zeit war dies ungewöhnlich, zumal MĂ€nner nur Taschenuhren trugen. Bekannt wurde Cartier auch, weil ihn Prinzessin Mathilde, eine Cousine von Napoleon III., entdeckte. Von da an avancierte der Goldschmied zum begehrten Pariser Juwelier. Als einer der Pioniere in der Uhrenindustrie lancierte Cartier auch die erste Fliegeruhr «Santos». Er entwickelte diese Armbanduhr fĂŒr seinen Freund, den Flugpionier Alberto Santos Dumont. Die drei Söhne Cartiers vergrösserten spĂ€ter das Familienunternehmen und pflegten durch ihre Reisen Kontakte zum russischen Zarenreich, zu indischen Maharadschas und nach Amerika. Das Unternehmen etablierte sich rasch als Lieferant diverser KönigshĂ€user und spezialisierte sich auf die Fertigung kostbarer Diademe. Diese schmĂŒckten zahlreiche HĂ€upter europĂ€ischer Königinnen und Prinzessinnen. 1926 wurde unter anderem ein einzigartiger Kopfschmuck fĂŒr den Maharadscha des ehemaligen FĂŒrstenstaates Kapurthala gefertigt, in dem 19 seltene, tiefseefarbene Smaragde verarbeitet wurden. Der grösste Smaragd hatte ein Gewicht von 117,4 Karat. Auch heute noch ist Cartier der Juwelier der KönigshĂ€user: Kate, die Herzogin von Cambridge und Ehefrau des britischen Prinzen William etwa, trug bei ihrer Hochzeit ein Diadem aus dem Jahr 1936, das Cartier ursprĂŒnglich fĂŒr Queen Elizabeth entworfen hatte.

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