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19. April 2026 | Lifestyle

Visionärer Blick in die Zukunft

Visionärer Blick in die Zukunft

Keine Frage: Die Optik dieses Museums sucht ihresgleichen. In einer Stadt, die durchaus reich an architektonisch ungewöhn­lichen Gebäuden ist (Stichwort: Burj Khalifa, das höchste Ge­bäude der Welt), fällt selbst dieses vor drei Jahren eröffnete Bauwerk auf. Das Datum war bewusst gewählt: 22.02.2022 – ein Palindrom, also eine Zahlenreihe, die man vor- und rück­wärts lesen kann. Für das renommierte Magazin National Geographic zählt es zu den 14 schönsten Museen weltweit. «Dabei handelt es sich um ikonische Gebäude, die Touristen mobilisieren», erklärt Patricio del Real, Professor für Archi­tektur und Geschichte an der Harvard-Universität. Das ist das Selbstverständnis: «Es ist kein normales Museum, mit Relikten hinter Samtvorhängen (...) Jeder Stock ist wie ein Filmset aus der Zukunft, das Sie entdecken und mit dem Sie interagieren können.» So ist es auf der MOTF-Website zu lesen. «Immersiv», also alle Sinne umfassend, ist ein Begriff, der im­mer wieder fällt, wenn es um das ganzheit­liche Erlebnis im Museum of the Future geht.

LEBEN IM JAHR 2071

Das Äussere: futuristisch, ein ringförmiger Bau, sieben Stockwerke hoch – ohne innere Stützen! Die Dimensionen sind beeindruckend: 30 000 Quadratmeter Fläche und bis zu 77 Meter hoch. Mithilfe von Robotern wurden 1 024 glasfaser­verstärkte Kunststoffplatten mit Edelstahl-Paneelen veredelt. Diese Anzahl steht für die digitale Grund­einheit Kilobyte – das Museum ist aussen wie innen eine Hommage an digitale Technologien. Mindestens ebenso bemerkenswert sind aber die drei Zitate des Scheichs Mohammed bin Rashid Al Maktoum, der Dubai regiert, an der Fassade: 

Eines lautet: «Die Zukunft gehört denen, die sie sich vorstellen, die sie entwerfen und umsetzen können. Die Zukunft wartet nicht. Die Zukunft ist nicht etwas, das man erwartet, sondern etwas, das man erschafft.» Das zweite Zitat: «Wir leben vielleicht nicht Hun­derte von Jahren, aber das Ergebnis unserer Kreativität kann ein Vermächtnis hinterlassen, lange nachdem wir gestorben sind.» Schliesslich: «Innovation ist kein intellektueller Luxus. Sie ist das Geheimnis hinter der Entwicklung und Verjüngung von Nationen und Menschen.» Diese Zitate sind in arabischer Kalligrafie gestaltet und dienen obendrein als Glasfenster. So wird auf zweierlei Ebenen – räumlich wie poetisch – deutlich, wofür das MOTF stehen soll: nämlich Dubais Zukunftsvision.

Im Inneren geht es um die Frage: Wie sieht unser Leben in 50 Jah­ren aus? Dieser Vision widmet sich das Museum of the Future in fünf Kapiteln. Das erste davon heisst «OSS Hope» und bildet das Leben auf einer Raumstation ab, 600 Kilometer über der Erde. Im «Heal Institute» erhalten die Menschen mittels Augmented- und Virtual-Reality-Techno-logie einen Blick auf Dubai und die Welt im Jahr 2071. So befindet man sich beispielsweise staunend in Kolumbien, mitten im Amazon-Regenwald. Dieses Szenario ist nicht zufällig ge­wählt: Der Einfluss des Menschen auf das (nicht mehr) funktionierende Ökosystem ist ebenso ein Zukunftsthema – und gehört damit in das MOTF. «Al Waha» (übersetzt: die Oase) ist ein Wellness-center der besonderen Art und Lieblingsort des Museumsdirektors Majed Al Mansoori, wie er einmal in einem Interview gestand. Statt im stän­digen «Austausch» mit dem allgegenwärtigen, «aufdringlichen» (so sein Begriff) Smartphone ge­raten hier die Menschen in Kontakt miteinander. 

Das nächste Kapitel ist «Tomorrow Today», in dem bereits existie­rende Technologien auf fesselnde Weise ihren Raum finden. Hier wurde im Herbst 2024 die Ausstellung «Earth Dreams» eröffnet: Millionen von Naturfotos, Satellitenbildern und Wetterdaten waren die Basis für KI-Gemälde, die die Schönheit und Komplexität der Erde darstellen sollen. Im letzten Stock «Future Heroes» kommen vor allem Kinder mit spielerischen Elementen auf ihre Kosten.

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STIMMIGES GESAMTKONZEPT

Die aufsehenerregende Optik ist dabei Teil eines Gesamtkon­zepts, in dem Nachhaltigkeit eine grosse Rolle spielt. Das Thema ist nicht nur in den Ausstellungen von zentraler Bedeutung. Auch das Haus selbst setzt auf entsprechende Technologien: Solar­energie liefert über 30 Prozent des benötigten Stroms, dazu kommt eine eigene Wasseraufbereitungsanlage. Als einziges Museum im Nahen Osten erhielt es 2023 das internationale Gütesiegel Leadership in Energy and Environmental Design (LEED) für «gesunde, hocheffiziente und kostensparende nachhaltige Gebäude». Dazu passt, dass das Museum von einem Park um­geben ist, in dem 80 verschiedene Pflanzen leben. Versorgt wer­den sie von einem intelligenten Bewässerungssystem. Mit seiner Lage direkt an der Sheikh Zayed Road, der Hauptverkehrsader im Finanzdistrikt der Stadt, ist das Museum of the Future auch in dieser Hinsicht nicht zu übersehen. Architekt Shaun Killa, ein gebürtiger Südafrikaner, sagt über die Hauptelemente des Mu­seums – das Gebäude selbst, der grüne Hügel, auf dem es steht, und die Lücke, die sich durch die Ringform des Gebäudes ergibt: «Die Lücke steht für das Unbekannte; das, was wir noch nicht über die Zukunft wissen. Tatsächlich ist das aus meiner Sicht der be­deutendste Teil des Museums.» Schon vor dem MOTF hatte er mit der Dubai Opera ein Wahrzeichen der Stadt geschaffen. 2025 kam das Luxushotel Jumeirah Marsa Al Arab hinzu – und, um über die Grenzen der Emirate zu blicken, das World Trade Center in Bahrain.

«EIGENE IDENTITÄT ENTWICKELT»

In Dubai kommen die Stars der Architektur-Szene zusammen, hier haben etwa Zaha Hadid, David Chipperfield und Tadao Ando ihre Spuren hinterlassen. Santiago Calatravas Dubai Creek Tower, kurz: The Tower, der zur Expo 2020 fertig werden sollte und jetzt nach langer Unterbrechung wieder weitergebaut wird, scheint mittlerweile die Ausnahme in Sachen Rekordjagd zu sein. Er soll(te) dem Burj Khalifa im wahrsten Sinne des Wor­tes den Rang ablaufen. Ansonsten aber scheint auch jenseits des MOTF ein Umdenken eingesetzt zu haben. Als The Tower begonnen wurde, habe sich das Emirat noch in einer anderen Entwicklungsphase befunden. «Damals wusste die Regierung in Dubai noch nicht, wo sie hinwollte, und hatte das Gefühl, sie müsse möglichst laut schreien, um in der Welt gehört zu wer­den», zitiert die NZZ am Sonntag die französische Architektin Nathalie van de Vrede. «Seither hat Dubai eine eigene Identität entwickelt», erklärte sie in dem 2024 publizierten Artikel.

Visionärer Blick in die Zukunft

GRÜNFLÄCHEN-ANTEIL VERDOPPELN

Majed Al Mansoori, seit 2024 Direktor des Museums, sagte in einem Interview: «Das Museum ist nicht nur ein Ort, es ist ein ‹State of Mind›».

Die Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen Dubai gehört, sind erst 1971 gegründet worden – schwer zu glauben angesichts des rasanten Wachstums in den vergangenen Jahren. Dabei geht es aus Al Mansooris Sicht gerade erst los. Das Ziel: Dubai soll im Jahr 2040 die beste Stadt zum Leben und Arbeiten sein. Derzeit leben 3.5 Millionen, bis in 15 Jahren sollen es 5.8 Millionen Men­schen sein. Der Stadtentwicklungsplan sieht vor, dass der Anteil der Grünflächen in dieser Zeit auf 60 Prozent steigt. Das würde einer Verdopplung des Status quo entsprechen. Immer mehr rücken bei der Verkehrsplanung die Bedürfnisse von Menschen, die mit dem Rad fahren oder zu Fuss gehen, in den Blickpunkt.

«Von der Experimentierfreude, von der Energie und dem prag­matischen Optimismus, dass wir die Zukunft gestalten können, könnten wir im müden Europa lernen», lobte Gerhard Mack 2024 in der NZZ am Sonntag.