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02. Februar 2026 | Lifestyle
Kältekick im Untersee
«Ab zehn Grad minus braucht man Badelatschen, sonst bleiben die Füsse auf dem Eis kleben», sagt André Kühn. Er gehört zu den Eisbadenden der ersten Stunde im Aroser Untersee und ist Mitinitiant des ersten Eisbads Europas. Der Ferienort auf knapp 1 800 Metern überzeugt mit seiner imposanten Berglandschaft, aber auch, weil im Winter die Temperaturen bis auf minus 20 Grad fallen: Ein sicherer Wert, dass der Badesee eine Eisschicht bildet. «Am Ufer ist sie manchmal bis zu eineinhalb Meter dick», weiss André. Der lässige Typ mit langen Haaren, Anfang 50, ist wie alle Eisbadenden gleich beim Du. Die Grenzerfahrung sowie der gemeinsame Erfolg führen rasch zu einem Wir-Gefühl. Denn egal, ob man das erste oder das hundertste Mal ins frostige Nass steigt, den inneren Schweinehund muss man stets aufs Neue überwinden. An sein erstes Eisbad erinnert sich André noch genau. Im Sommer 2019 traf er sich mit einer Gruppe Jungs täglich morgens um sieben zum Schwimmen im Untersee. Es kam der Herbst, die Temperaturen sanken kontinuierlich und irgendwann war das Wasser gefroren. «Wir organisierten einen Eispickel und niemand wollte ein Weichei sein», so André. Sein Körper sei umgehend unter Schock gestanden, die Atmung raste. «Als ich nach rund einer Minute wieder rauskam, war ich völlig aufgedreht.» Der Dopaminausstoss beim Eisbaden soll zweieinhalb Mal höher sein als bei Kokain, «nur dass die Wirkung viel länger anhält», schwärmt André.
PIONIER DES EISBADENS
Vom Eisbade-High berichten auch Carmen Prantl, Präsidentin des Vereins Eisbadi Arosa – «es macht definitiv süchtig» – sowie Ronja Weiser, die seit sechs Jahren zur Community gehört: «Man verlässt die Kälte mit vielen Glücksgefühlen.» Tatsächlich schüttet der Körper den reinsten biochemischen Cocktail aus: Zunächst die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol, was das Schmerzempfinden dämpft. Die Stressboten nehmen mit der Zeit ab und werden durch die Glückshormone Serotonin, Dopamin und Endorphin ersetzt. Bekannt wurde das Eisbaden durch den niederländischen Extremsport-ler Wim Hof, auch genannt «The Iceman». Der 66-Jährige hält mehrere Weltrekorde im Ertragen extremer Kälte. Sein längstes Eisbad, das Wasser bis zum Hals, dauerte eine Stunde und 52 Minuten. Die Technik des Rekordhalters heisst Wim-Hof-Methode. Kernelement ist eine auf kontrollierter Hyperventilation basierende Atemtechnik. Durch die anschliessende Kälteexposition lernt der Körper, sich der Kälte anzupassen und seine Temperatur zu regulieren. Die Adrena-linwerte, sagen zertifizierte Wim-Hof-Trainer, sollen beim Eisbaden fünf Mal so hoch sein wie beim Bungee-Jumping.
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